Reisebericht bis Ganja

 

12.08.2018

 

Mit Ausgedrucktem Visa fuhren wir Richtung Aserbaidschanische Grenze. Wir haben schon viele über die Grenze in ein ziemlich eng geführtes Land gelesen, und waren nun gespannt, wie es uns selber ergehen würde. Wir durften erleben, dass das Land dem Westen und seinen Touristen sehr zugewandt ist und wir auch dank nur wenigen Autos die Grenze in nur einer halben Stunde überschritten haben. Am Eingang vom aserbaidschanischen Zoll bekamen wir ein rotes Kärtchen, auf welchem Eingang stand, dann wurde das eiserne Tor hinter uns geschlossen. Etwas chaotisch wurden wir von einem Schalter zum anderen geschickt, doch als wir alle Formalitäten erledigt hatten, bekamen wir das grüne Kärtchen, auf welchem Ausgang stand. Am Ausgang des Zolls öffnete der Zöllner zuerst das eiserne Tor, doch auch er wollte noch einmal unseren Pass bestaunen, was wir ihm gerne gewährten.

 

Entgegen aller Vorwarnungen, dass die Autofahrer hier regelmässig von korrupten Polizisten angehalten werden, fühlten wir uns hier immer zuvorkommend behandelt. Die vielen Radar ersetzen Polizisten und Willkür. Wir wurden genau einmal von einem Polizisten an einer Polizeisperre angehalten. Er stellt sich als Samir vor und ganz offensichtlich möchte er lediglich, mit den verrückten Ausländern, welche es mit dem Auto hierher geschafft haben in Kontakt treten. Freundlich hiess er uns in seinem schönen Land Aserbaidschan willkommen, zerquetschte uns mit seiner riesigen Hand fast die unsere und wünscht uns eine gute Reise.

 

Unser erster Halt ist Ganja, die zweitgrösste Stadt des Landes. Obschon wir uns selber als Reise erfahren einstufen, erlebten wir hier einen weiteren Kulturschock. Land und Leute sind sehr schwierig einzuschätzen. Es ist eine Spanne zwischen Offenheit und in alten Traditionen stehen geblieben zu sein. Die Offenheit äussert sich darin, dass im Radio oft westliche Musik gespielt wird, die Frauen sind hier im Vergleich zur Türkei sehr modern gekleidet. Auch sonst wirken die Frauen selbstbestimmt und sind meistens alleine unterwegs. Alkohol wird überall angeboten und Regierung gibt sich uns Ausländern gegenüber sehr offen und einladend. Wir hörten immer wieder, dass sie aus diesem Grund die Iraner nicht mögen, denn die Frauen müssen sich dort verschleiern und für das öffentliche Trinken von Alkohol gibt es Peitschenhiebe.

 

Andererseits ist die Bevölkerung zu unserer Überraschung äusserst arm. Während viel Geld über den Ölhandel ins Land kommt und Baku mit einigen futuristischen Gebäuden wie die Flammentürmen protzt, lebt der Rest der Bevölkerung äusserst bescheiden. Es wird sehr wenig konsumiert, im Park spazieren Familien und niemand isst ein Eis, die wenigen Stände mit Naschereien scheinen wie eine üble Dekoration zu sein. Es scheint, als wäre die Zeit der Sowjetära, welche den Kapitalismus verneinte, hier gleich weiter gegangen.

 

Kritik gegen Regierung und den Präsidenten wird sehr streng mit Gefängnisstrafe geahndet und könnte auch uns Ausländer betreffen. Also tabuisierten auch wir diese beiden Themen.

 

Wenn die Leute auch äusserst arm sind, so sind sie doch sehr edel und stolz. Jeder hat ein auserlesenes Kleid an, die Blicke der Mädchen und Frauen sind wild und unbeugsam. Zudem sind sie warmherzig, es nimmt sie wunder, wer wir sind und möchten uns etwas kennenlernen. Dies kann sein, dass uns die Verkäuferin im Laden nachgelaufen ist oder dass wir an der Strasse von Taxifahrern freundlich gegrüsst wurden. Die drückende Armut ist ist doppelt traurig, weil wir so viele intelligente Leute getroffen haben. Kaum einer konnte englisch, doch haben sie immer verstanden, was wir brauchten. Die Aserbaidschaner haben es uns sehr leicht gemacht, ins in ihrem Land wohl zu fühlen.

 

Hier in Ganja durften wir in einem Dorf ein weiteres Mal das Trampolin aufstellen. Leider war es sehr windig, so dass wir keine Zeichnungen anbieten konnten. Auch hier freuten sich die Kinder sehr über die mitgebrachten Preise zum Fragespiel. Wieder mehr als die Georgier mochten sie auch rosa Haarmäscheli. Sie freuten sich in besonders hohen Mass über das Trampolin, hatten sie noch nie die Möglichkeit, in einem Lunapark zu sein.

 

Nun, hier ist auch unsere Trampolinära zu Ende gegangen. Es hat einen Platz im Vorgarten einer dieser Familien bekommen und kann in seinem Alter ohne stressiges Auf- und Abbauen noch viele Kinder glücklich machen.

 

Höhepunkt in Ganja war das Sowjetische Restaurant Sha Saray. Ein Taxifahrer wies uns darauf hin und klopfte für uns an einer unscheinbaren Türe. Da öffnete sich ein kleines Tor und ein Soldat mit Kalaschnikow begrüsste uns. Oh, wo waren wir da nur gelandet. Doch es stellte sich heraus, dass es ein Restaurant mit vielfältigem Essen war, welches komplett nach Sowjetzeit eingerichtet war. Am Fernseher laufen Filme zu Kämpfen im 2. Weltkrieg oder russische Lieder, welche die Kämpfe besingen. Eine schwierige Zeit, von welcher wir keine Ahnung haben. Ein reifer Mann uns gegenüber wurde ganz nachdenklich, als er diese Filme sah und unterdrückte er eine Träne. Wohl hat er selber schwierige Erinnerungen an diese Zeit, vielleicht ist aber sein Leben in diesem eng geführten Land zum weinen und er hat hier ein kleines Ventil gefunden….